
Der zweite 9V Akku im Test ist der VariCore VC-9V 1200 mAh. Auch hier war vor dem Kauf nicht ersichtlich um welche Art von „9V Akku“ handelt es sich genau:
Ich habe den Akku für 2,69€ bei AliExpress bestellt.

Mit bis zu 400 mAh erreicht der Akku von VariCore ein gutes Ergebnis. Er liefert konstante und vor allem eine echte Spannung von 9V. Eine Spannungsabsenkung am Ende bietet der Akku nicht. Vollgeladen ist er in genau drei Stunden (laut Aufdruck soll es nur zwei Stunden dauern). Einen wirksamen Schutz vor Tiefentladung hat der Akku nicht.
Gemessen habe ich nur 400 mAh, VariCore wirbt aber mit 1200 mAh. Wie kann das sein? VariCore wirbt mit der Kapazität der internen Li-Ionen Zelle. Die hat bei 3,6V (Nominalspannung) 1200 mAh. Durch die Energieumwandlung (verlustbehaftet) und die höhere Spannung von konstant 9,3V, werden daraus etwa 400 mAh. Die aufgedruckten 1200 mAh sind also nicht stark übertrieben, wie man im ersten Moment vielleicht denken mag. Sie beziehen sich nur nicht auf die Spannung die dieser Akku ausgibt. Das ist leider gängige Praxis.
Ganz korrekt sind die 1200 mAh aber auch nicht, ich konnte maximal 1106 mAh messen.
Eigentlich ist - vielmehr war - dieser Akku von VariCore gar nicht schlecht. Die Messungen mit 50 bis 250 mA hatte ich im Februar 2026 durchgeführt. Als dann im April weitere 9V Akkus bei mir eintrafen (Keeppower, Trustfire) kam mir die Idee auch diesen Akku mit 500 mA - und falls möglich - mit 1000 mA zu testen. Nachdem die drei Monate um waren und die Selbstentladung sich mit 8% als gut herausstellte, wollte ich die Messung mit 500 mA nachholen. Wie man im Diagramm sehen kann, war das zu viel für diesen Akku. Er hat nach etwa 3 Minuten abgeschaltet.
Was man im Diagramm nicht sieht und auch mir erst einigen Minuten später aufgefallen war: Der Akku hat nicht abgeschaltet wegen Überlast. Die Messung wurde nur beendet, weil die eingestellte Entladeschlussspannung von 5,5V unterschritten wurde. Als ich den Akku aus der Messtation entfernen wollte, war er warm. Etwa 20 bis 30 Minuten nachdem die ohnehin nur 3 Minuten dauernde Messung bereits beendet war. Hier stimmte etwas nicht. Sicherheitshalber den Akku erstmal in die Garage gebracht, Multimeter dran und Wärmebildkamera an:

Die 3,69V sind die tatsächliche Spannung der Zelle im Inneren. Anscheinend ist der DC-DC-Wandler defekt. Und irgendetwas (vermutlich der defekte Wandler) verbraucht Strom und erzeugt punktuell Abwärme. Die Spannung sank relativ schnell, bei etwa 3,5V bemerkte ich eine Verformung auf der Oberseite. Ob durch die Wärme oder weil die Zelle sich möglicherweise gerade aufbläht, wollte ich nicht herausfinden. Der Akku lag dann im Freien. Etwa eine Stunde später war er abgekühlt und bei 0V. Ob die Zelle tatsächlich bis auf 0V entladen wurden oder ob der Tiefentladeschutz noch funktioniert hat, kann ich nicht sagen. Ich habe den Akku auch nicht zerlegt um es genauer zu untersuchen und auch nicht noch einmal geladen. Denn defekte 9V Akkus zu laden kann so enden.
Natürlich kann man an dieser Stelle die Frage in den Raum werfen: Welcher 9V-Verbraucher zieht denn 500mA? Ich kenne keinen und du vermutlich auch nicht. Aber ich als Tester stelle den Akku auf die Probe. Und wenn mir der Hersteller keine technischen Daten zur Verfügung stellen möchte, dann teste ich bis ich das Limit gefunden habe. Auch der LiitoKala Akku hatte seine Probleme mit 500 mA. Aber der ist nach dem Test nicht defekt. Der 9V Akku von Keeppower hat die 500mA problemlos geliefert, 1000 mA waren dann aber auch für ihn zu viel. Die Schutzschaltung hat ausgelöst, aber nichts ist defekt. Genau das erwartet man von einem geschützten Akku.
Wer an dieser Stelle noch Inspirationen braucht, wofür man einen 9V Akku benutzen könnte, wo höhere Ströme fließen, der kann ja mal ins Kinderzimmer schauen. Vielleicht findet sich dort eine PoweredUp Batteriebox des dänischen Klemmbausteinherstellers. Die, bzw. die angeschlossenen Motoren, brauchen konstante 9V. Die sie weder mit Alkaline, noch mit NiMH Akkus bekommen. Aber man kann das Gehäuse aufschrauben (sehr kleiner Torx), den unteren Teil abnehmen und dann schauen da zwei Stege heraus. Perfekter Abstand um einen 9V Akku mit konstanten 9V anzulöten. So wird aus der Batteriebox eine echte Akkubox, die jederzeit über USB-C geladen werden kann.
Ich gebe zu, probiert habe ich dieses Szenario nicht. Ich habe meine Züge vor Jahren von 6x AAA auf 8x AA umgebaut:


8x AA braucht natürlich einiges an Platz. Entsprechend groß musste ich den Tender bauen. Hätte ich damals einen Akku mit konstanten 9V gehabt, ich hätte es zumindest probiert die Motoren damit zu betreiben. Zumal das Aufladen über USB-C auch äußerst praktisch wäre. Platz wäre in der Batteriebox genug um einen 9V Akku unterzubringen.

Ich teste gerne auch mal unbekanntere Marken oder Modelle, aber dies war mein letzter VariCore Test. Ja, die VC-1410S waren viel besser als vermutet. Aber die VC-1840 haben nicht die versprochenen 4000 mAh geliefert. Die bestellten 16340er und 18350er Modelle wurden auch nach Monaten gar nicht geliefert (Verkäufer: VariCore Battery Factory Store). Egal ob dieser Verkäufer oder unter der Mailadresse auf der VariCore Webseite, man erhält keine Antwort. Egal ob man nach einem Datenblatt fragt, oder sich an sie wendet, weil man ein Problem mit dem gelieferten Produkt hat. Auf dem finanziellen Schaden bleibt man sitzen.
Das ein einzelner Akku mal einen Defekt aufweist, kann passieren. Deswegen muss man nicht eine ganze Marke verteufelt. Aber mir sind das zu viele „bedauerliche Einzelfälle“. Und die gänzliche Abwesenheit eines Kundenservice reicht mir, um zu sagen: Ich muss mein privates Geld nicht weiter verbrennen um mir (und euch) ein noch genaueres Bild dieser Marke zu verschaffen. Wer VariCore dennoch kaufen möchte, der darf das natürlich gerne tun.
Echte 9V über die gesamte Laufzeit, ca. 400 mAh und eine geringe Selbstentladung. Für Rauchmelder ist dieser Akku aufgrund seines Spannungsverlaufs nicht geeignet. Der 500 mA Test führte zudem zu einem Defekt mit anhaltender Wärmeentwicklung – ein Verhalten, das man bei einem 9V-Block eher nicht sehen möchte.
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten 9V Akkus findest du hier.
Für meine Tests verwende ich unter anderem dieses Equipment:
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