
Bereits vor rund 10 Jahren hatte ich zwei ähnliche Do-it-yourself Powerbanks getestet. ENB Lingsword (2x 18650) und das XTAR WP2s. Letzteres war zwar in erster Linie ein Ladegerät für Li-Ionen Akkus, ließ sich aber auch als Powerbank verwenden. Beide Geräte haben damals zwar funktioniert, waren aber was Wirkungsgrad oder Wh/l angeht, weit zurück hinter damaligen Powerbanks.
Die PB2SL V2 hat, wie der Name schon verrät, einen Vorgänger. Eigentlich sogar mehrere (PB2SL, PB2S). Außerdem gibt es von XTAR noch die PB2C, ein sehr ähnliches Produkt, dass aber nur für 18650er Akkus geeignet ist.
Die PB2SL V2 wurde mir freundlicherweise von XTAR zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.
Die DIY-Powerbank PB2SL V2 ist eine Powerbank, ohne Akkus. Sie lässt sich mit den Akkugrößen 18650, 18700, 20700 oder 21700 nutzen. Sowohl ungeschützte, geschützte, flat-top oder button-top Akkus können verwendet werden. Und sofern man möchte, kann man sie auch nur als Ladegerät für diese Akkus verwenden. Ich habe sie für diesen Test mit den im letzten Monat getesteten XTAR 21700 6000 mAh betrieben.
Die PB2SL V2 bietet einen Eingang (USB-C), der auch Ausgang ist. Und zusätzlich einen USB-A Ausgang. Über die Taste an der Seite lässt sie sich ein- bzw. ausschalten. Während des Ladevorgang lässt sich außerdem über die Taste Infos zu den Akkus abrufen (welche Spannung hat der Akku, mit welcher Stromstärke wird er gerade geladen). Im Betrieb, lässt sich durch langes drücken der Taste der „LC“ Modus (Low Current) aktivieren. Das Gehäuse hat die Abmaße 12,5 * 5,8 * 2,8 cm und wiegt 82g. Der Deckel mit Magnetverschluss lässt sich bequem öffnen und schließen und sitzt hinreichend fest, damit auch bei kleineren Erschütterungen die Akkus nicht herausfallen können. Da kleinere Akkus wie 18650er im Gehäuse ein wenig Spiel haben, befindet sich auf der Innenseite des Deckels ein kleiner Steg, der bei Nutzung mit 18650/18700 Akkus um 90 Grad gedreht werden kann. Er schließt damit den Höhenunterschied zu 21700er Akkus und verhindert, dass die Akkus im Gehäuse verrutschen können.
| USB-A | USB-C | |
|---|---|---|
| Input (Herstellerangabe) | - | 5V / 3A / 15W 9V / 2A / 18W |
| Input (Messung) | - | 5V / 1,6A / 8W (5,6 h) 9V / 1,6A / 15W (3,9 h) |
| Output (Herstellerangabe) | 5V / 3A 9V / 2A 12V / 1,5A |
5V / 3A 9V / 2A 12V / 1,5A |
| Output (unterstützte Protokolle) | PD: --- QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: --- |
PD: 5V; 9V; 12V QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: 5-5,9V 3A // 5-11V 2A |
| Output Single-Port (Messung) | 5V / 3,1A 9V / 2,4A 12V / 1,8A |
|
| Output Multi-Port (Messung) | 5V / 3,3A | |
1: basierend auf den maximalen Wh die tatsächlich entnommen werden konnten
2: Maximale Leistung die ein Port bzw. verteilt über mehrere Ports (kurzzeitig) abgegeben werden kann.
3: Leistung die entweder dauerhaft bis zum vollständigen entladen geliefert werden kann, oder bis zum Zeitpunkt an dem die Powerbank die Leistung selbstständig drosselt (meist aufgrund thermischer Probleme).

Egal welchen Port man verwendet, beide liefern die exakt gleiche Leistung von bis zu 22W.

Unter Volllast bleibt die Powerbank von außen recht kühl. Im Inneren scheint es im Bereich der Anschlüsse allerdings schon sehr warm zu werden. Dennoch wird die Leistung nicht gedrosselt. Die Aufnahme wurde kurz von Ende des 20W Dauerlasttests gemacht
Die Powerbank selbst lädt mit bis zu 15W. Schließen ich mein Telefon an, wird das mit maximal 12W geladen (begrenzt durch das Telefon, nicht durch die Powerbank). Wie sieht es aber aus, wenn beides gleichzeitig angeschlossen ist?
Bei Nutzung mehrerer Ports stehen allen Ports nur 5V zur Verfügung. In die Powerbank fließen 15 W. Das Telefon wird noch mit 6 W geladen.
Wie sieht es mit der Nutzung als USV aus? Szenario1: Man möchte die Powerbank als USV an seinem heimischen Router verwenden. Der kann zwar nicht per USB mit Strom versorgt werden, aber einen USB-C auf Hohlstecker Adapter der eine festgelegte Spannung, z.B. 12V abruft, gibt es für unter einem Euro zu kaufen. Damit kann der Router im Notfall problemlos mit der Powerbank betrieben werden. Aber geht das auch unterbrechungsfrei? Nein. Da die Powerbank beim gleichzeitigen Laden und Entladen nur 5V bereitstellen kann, ist sie für das Szenario nicht geeignet.
Szenario2: Die Powerbank wird mit einem alten USB-Steckernetzteil versorgt das keine Schnellladeprotokolle kennt, nur 5V. An der Powerbank hängt ein Raspberry Pi, auch der kennt keine Schnellladeprotokolle, nur 5V. Fällt der Netzstrom aus, wird der Raspberry Pi ununterbrochen mit Strom versorgt und läuft weiter? Leider nein, auch hier kommt es zu einer kurzen Unterbrechung.
Auch eine Powerbank besteht aus mehr als nur trockenen Messwerten. Vor zehn Jahren war es schon ärgerlich genug, dass sie ausschließlich mit einer Kapazität in mAh beworben wurden – eine Angabe, die ohne Spannung kaum Aussagekraft hat. Mittlerweile haben die Hersteller dazugelernt: Heute findet man neben der Energie in Wh oft sogar Angaben, wie viele mAh bei welcher Spannung tatsächlich entnommen werden können. Teilweise wird sogar der Wirkungsgrad berücksichtigt – vor zehn Jahren undenkbar.
Dafür haben sie andere Wege gefunden, Dinge zu suggerieren, die in der Praxis so gar nicht existieren. Marketingversprechen nehmen immer mehr überhand – wohlklingende Schlagworte, die bei genauerem Hinsehen nichts Greifbares bedeuten. Oder dieselben „Features“, gleich mehrfach wiederholt, nur um den Eindruck zu erwecken, das Produkt wäre besonders fortschrittlich. Ich möchte diesem Thema keine langen Absätze widmen, es aber auch nicht unerwähnt lassen. Darum hier in kurzer Form – meine persönliche Bullshit-Checkliste:
Viele grüne Haken bedeutet, die Marketingabteilung hat einen richtig guten Job gemacht, aus Unternehmersicht. Aus Sicht der Konsumenten sieht das leider weniger positiv aus. Ein wirklich gutes Produkt überzeugt durch ehrliche Herstellerangaben und guter Leistung. Die anderen ... brauchen ein paar grüne Haken in dieser Liste.
Die PB2SL V2 funktioniert als Powerbank sehr gut. Kein Vergleich zu DIY-Geräten von damals bei denen noch fast 50% der Energie verlorengegangen ist. Mit 87% (5V) bzw. 80% (9V) liegt die Effizienz auf ähnlichem Niveau zu heutigen Powerbanks. Alle Dauertests wurden ohne Drosselung absolviert. Die Maximalleistung entspricht der, die XTAR verspricht. Die unterstützten Spannungen und Schnellladeprotokolle sind die, die man von einer Powerbank (in dieser Größe) heutzutage erwarten darf. Einzig beim Laden gibt es Abweichungen zwischen den Herstellerangaben (15W/18W) und meinen Messungen (8W/15W).
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten Powerbanks findet ihr hier. Dort findet ihr auch Infos wie ich teste, warum ich keine Kapazität (mAh) bei meinen Messungen angebe, sondern nur Energie (Wh) und auch eine Erklärung warum ich nicht mit einer einfachen Dreisatzberechnung behaupte, die wahre (interne) Kapazität einer Powerbank berechnen zu können, wie es manch anderer macht.
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