
In den letzten Monaten habe ich immer mal wieder aufgeschnappt, INIU wäre eine sehr gute Marke, wenn es um gute und günstige Powerbanks geht. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe INIU kontaktiert und nach einer Kooperation gefragt. Sie waren wohl aber eher an jemandem interessiert, der im englischsprachigen Raum aktiv ist. Kein Problem, dann bestell ich mir mal drei Modelle bei Amazon. Zum „regulären“ Preis. Was auch immer man unter regulärem Preis verstehen mag, wenn ein Produkt jede Woche vergünstigt angeboten wird. Mal für für Prime-Kunden, mal zu Black Friday, mal als Blitzangebot und immer mal wieder auch für alle Kunden. Für die normalgroße Variante der 20.000 mAh (22,5W) Powerbank habe ich 22,34€ bezahlt.
Etwas verwirrend finde ich die Modellbezeichnungen bei INIU, denn auf der Herstellerwebseite findet man andere Modellbezeichnungen als auf den gelieferten Geräten:
| Kapazität / Leistung | Mini Version | Normale Version |
|---|---|---|
| 20.000 mAh / 22,5 W | Carry P51-E2 (laut INIU Webshop) P51 (laut Aufdruck) |
Carry P51L-E1 (laut INIU Webshop) BI-B5 (laut Aufdruck) |
| 20.000 mAh / 45 W | - | Carry P51L-E2 (laut INIU Webshop) P51L (laut Aufdruck) |
Insbesondere die Modellbezeichnung P51L scheint, verglichen mit den Modellbezeichnungen die man bei INIU im Webshop findet unvollständig zu sein. Ich habe INIU kontaktiert bzl. der Modellbezeichnungen, aber auch nach Wochen keine Antwort erhalten. Insbesondere bei „verkleinerten Varianten“ nutzt INIU mal „Mini“, mal „Kompakt“ und mal „Kleinste“. Entwirren kann ich diese leicht undurchsichtige Namensgebung nicht, aber um weitere Verwechselung zu vermeiden, halte ich es für sinnvoll einem eigenen einheitlichen Schema zu folgen:
Die BI-B5 bietet insgesamt drei Anschlüsse, zweimal USB-A die nur Ausgänge sind, und einen USB-C der sowohl zum Laden als auch Entladen genutzt werden kann. Außerdem befindet sich zwischen den Anschlüssen noch ein kleine LED, eine Art Notfalltaschenlampe. Die Helligkeit beträgt rund 6 Lumen. Über einen Doppelklick lässt sich das Licht ein- bzw. ausschalten.
Das Display kann nur den ungefähren Ladezustand in Prozent anzeigen. Ungefähr, weil 5% und mehr Abweichung „normal“ sind. Das trifft auf alle Powerbanks zu, die ich diesen oder letzten Monat getestet habe. Genauer scheinen es die Hersteller nicht zu können. Die Powerbank wiegt 350 g und kommt auf ein Volumen von 0,251 Liter.
| USB-A | USB-C | USB-A | |
|---|---|---|---|
| Input (Herstellerangabe) | - | 5V / 3A / 15W 9V / 2,22A / 20W |
- |
| Input (Messung) | - | 5V / 3A / 15W (7,3 h) 9V / 2,2A / 20W (5,6 h) |
- |
| Output (Herstellerangabe) | 5V / 4,5A 9V / 2,22A 12V / 1,5A (max 22,5W) |
5V / 3A 9V / 2,22A 12V / 1,5A (max 22,5W) |
5V / 4,5A 9V / 2,22A 12V / 1,5A (max 22,5W) |
| Output (unterstützte Protokolle) | PD: --- QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: --- |
PD: 5V; 9V; 12V QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: 5-5,9V 3A // 5-11V 2A |
PD: --- QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: --- |
| Output Single-Port (Messung) | 5V / 3,1A 9V / 2,5A 12V / 1,8A |
||
| Output Multi-Port (Herstellerangabe) | keine Angaben | ||
| Output Multi-Port (Messung) | 5V / 3,3A getestet: USB-A + USB-C: je 1,65A |
||
| Interner Akku (Herstellerangabe) | 7,4 V / 10.000 mAh / 74 Wh | ||
| Interner Akku (abgeleitet aus Input und Output) | ca. 78 Wh 105% der Herstellerangabe |
||
1: basierend auf den maximalen Wh die tatsächlich entnommen werden konnten
2: Maximale Leistung die ein Port bzw. verteilt über mehrere Ports (kurzzeitig) abgegeben werden kann.
3: Leistung die entweder dauerhaft bis zum vollständigen entladen geliefert werden kann, oder bis zum Zeitpunkt an dem die Powerbank die Leistung selbstständig drosselt (meist aufgrund thermischer Probleme).

Alle drei Ports liefern die exakt gleiche Leistung von maximal 23 Watt

Die Aufnahme wurde kurz vor Ende der 20W Dauertest-Messung aufgenommen. Die Powerbank hat zu keinem Zeitpunkt die Leistung gedrosselt.
Die BI-B5 liefert bis zu 72,2 Wh, was für eine Powerbank deren interner Akku nur 74 Wh haben soll, sehr gut ist. Tatsächlich dürfte der interne Akku etwas mehr Energie speichern können. Vielleicht 78 oder 80 Wh. Die genaue Zahl lässt sich ohne zerlegen und vermessen nicht bestimmen, ist für Kunden aber auch irrelevant. Uns interessiert die Energiemenge die man nutzen kann. Und das sind gute 72 Wh. Die kommen auch dank eines guten Gesamtwirkungsgrades von bis zu 82,4% zustande.
Jeder Port liefern die beworbenen 22,5W problemlos. Nutzt man mehrere Ports gleichzeitig, steht allerdings nur 5V zur Verfügung und die Gesamtausgangsleistung beträgt nur noch 16,5W. Will man mehrere größere Verbraucher (Handy, Tablet) laden, kann es sich lohnen sie nacheinander zu laden, weil die Ausgangsleistung dann höher ist.
Lädt man die Powerbank ausschließlich mit 5V, dauert es 7,3 Stunden. Nutzt man ein Schnellladegerät das mindestens 20W liefern kann, verkürzt sich die Zeit auf 5,6 Stunden. Die Dauertests hat die Powerbank problemlos absolviert, zu keiner Zeit hat sie die Ausgangsleistung gedrosselt oder sich gar abgeschaltet.
Die einzige Herstellerangabe die ich finden konnte, die ich nicht bestätigen kann, sind die 4,5A die die USB-A Ports bei 5V liefern sollen. Mehr als 3,1A liefern sie bei mir nicht. Möglicherweise wird diese Leistung nur erreicht, wenn man das richtige Schnellladeprotokoll simuliert. Da über 4A bei 5V eine absolute Nischenanwendung sein dürfte, sei der Punkt nur der Vollständigkeit erwähnt. Wirklich kritisch sehe ich die „nur“ erreichten 3,1A nicht. Denn mir ist kein Gerät bekannt, dass heutzutage bei mehr als 15W Ladeleistung zwingend 5V benötigt. 99% aller Geräte am Markt dürften 9 oder 12V unterstützen, so wie auch die BI-B5.
Die Powerbank selbst lädt mit bis zu 20W. Schließen ich mein Telefon an, wird das mit maximal 12W geladen (begrenzt durch das Telefon, nicht durch die Powerbank). Wie sieht es aber aus, wenn beides gleichzeitig angeschlossen ist?
Bei Nutzung mehrerer Ports stehen allen Ports nur 5V zur Verfügung. In die Powerbank fließen genau 17W. Das Telefon wird noch mit 6,2W geladen.
Wie sieht es mit der Nutzung als USV aus? Szenario1: Man möchte die Powerbank als USV an seinem heimischen Router verwenden. Der kann zwar nicht per USB mit Strom versorgt werden, aber einen USB-C auf Hohlstecker Adapter der eine festgelegte Spannung, z.B. 12V abruft, gibt es für unter einem Euro zu kaufen. Damit kann der Router im Notfall problemlos mit der Powerbank betrieben werden. Aber geht das auch unterbrechungsfrei? Nein. Da die Powerbank beim gleichzeitigen Laden und Entladen nur 5V bereitstellen kann, ist sie für das Szenario nicht geeignet.
Szenario2: Die Powerbank wird mit einem alten USB-Steckernetzteil versorgt das keine Schnellladeprotokolle kennt, nur 5V. An der Powerbank hängt ein Raspberry Pi, auch der kennt keine Schnellladeprotokolle, nur 5V. Fällt der Netzstrom aus, wird der Raspberry Pi ununterbrochen mit Strom versorgt und läuft weiter? Leider nein, auch hier kommt es zu einer kurzen Unterbrechung.
Auch eine Powerbank besteht aus mehr als nur trockenen Messwerten. Vor zehn Jahren war es schon ärgerlich genug, dass sie ausschließlich mit einer Kapazität in mAh beworben wurden – eine Angabe, die ohne Spannung kaum Aussagekraft hat. Mittlerweile haben die Hersteller dazugelernt: Heute findet man neben der Energie in Wh oft sogar Angaben, wie viele mAh bei welcher Spannung tatsächlich entnommen werden können. Teilweise wird sogar der Wirkungsgrad berücksichtigt – vor zehn Jahren undenkbar.
Dafür haben sie andere Wege gefunden, Dinge zu suggerieren, die in der Praxis so gar nicht existieren. Marketingversprechen nehmen immer mehr überhand – wohlklingende Schlagworte, die bei genauerem Hinsehen nichts Greifbares bedeuten. Oder dieselben „Features“, gleich mehrfach wiederholt, nur um den Eindruck zu erwecken, das Produkt wäre besonders fortschrittlich. Ich möchte diesem Thema keine langen Absätze widmen, es aber auch nicht unerwähnt lassen. Darum hier in kurzer Form – meine persönliche Bullshit-Checkliste:
Viele grüne Haken bedeutet, die Marketingabteilung hat einen richtig guten Job gemacht, aus Unternehmersicht. Aus Sicht der Konsumenten sieht das leider weniger positiv aus. Ein wirklich gutes Produkt überzeugt durch ehrliche Herstellerangaben und guter Leistung. Die anderen ... brauchen ein paar grüne Haken in dieser Liste.
Marketing Bullshit hat diese Powerbank gar nicht nötig. Ein gutes Produkt überzeugt am meisten, wenn es das liefert was versprochen wird. Und die BI-B5 liefert mit 72 Wh, auch dank guter Effizienz und einem internen Akku, der sogar etwas größer sein dürfte als beworben wird, viel Energie für wenig Geld. Einzig bei Nutzung mehrerer Ports muss man mit einer reduzierten Gesamtleistung vorliebnehmen. Ein einzelner Port liefert mehr als mehrere Ports zusammen.
Wer allerdings zwei Tablets und ein Telefon gleichzeitig laden möchte, würde wohl auch eher nicht zum leistungsschwächsten Modell greifen. INIU bietet diese Powerbank auch mit z.B. 45W oder 65W an. Die 45W Variante habe ich mir ebenfalls genauer angesehen.
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten Powerbanks findet ihr hier. Dort findet ihr auch Infos wie ich teste, warum ich keine Kapazität (mAh) bei meinen Messungen angebe, sondern nur Energie (Wh) und auch eine Erklärung warum ich nicht mit einer einfachen Dreisatzberechnung behaupte, die wahre (interne) Kapazität einer Powerbank berechnen zu können, wie es manch anderer macht.
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Die letzten Tests im Bereich Powerbanks/Powerstations:
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