
Nachdem ich mir sowohl die Varianten mit 22,5 W (P51, BI-B5), als auch die 45W Variante von INIU genauer angesehen habe, war meine Meinung gemischt. Man bekommt viel Energiespeicher für das Geld, die Effizienz ist hoch, aber die 45W Variante wird ihrem Namen nicht gerecht. Weder das erste getestete Exemplar, als auch das zweite konnten die 45W (oder auch nur 40W dauerhaft liefern. Nicht einmal über die hälfte der Laufzeit. Für Notebooks sit diese Powerbank meiner Meinung nach nicht geeignet. Aber es gibt ja auch die 65W Variante von INIU. Wird die besser sein? Oder wird die 45W dauerhaft liefern, aber die 65W auch nur für kurze Zeit? Dieser Test klärt diese Frage.
Ich habe die BI-B62 zu einem regulären Preis von 39,99 € bei Amazon* gekauft.
Nachfolgend eine Übersicht der Modellbezeichnungen, da diese zwischen Aufdruck auf dem Gerät selbst und der Herstellerwebseite (und auch Amazon) abweichen:
| Kapazität / Leistung | Mini Version | Normale Version |
|---|---|---|
| 20.000 mAh / 22,5 W | Carry P51-E2 (laut INIU Webshop) P51 (laut Aufdruck) |
Carry P51L-E1 (laut INIU Webshop) BI-B5 (laut Aufdruck) |
| 20.000 mAh / 45 W | - | Carry P51L-E2 (laut INIU Webshop) P51L (laut Aufdruck) |
| 20.000 mAh / 65 W | P62-E1 (laut INIU Webshop) | B62 (laut INIU Webshop) BI-B62 (laut Aufdruck) |
Optisch kommt die BI-B63 wie jede andere gewöhnliche Powerbank daher. Auf der Oberseite ist das Display, dass mit einer glänzenden Abdeckung versehen ist, die etwa 10-mal so groß ist wie das eigentliche Display. Der Rest des Gehäuses hat eine durchaus angenehme Soft touch Oberfläche. Das Display kann den ungefähren Ladezustand in Prozent anzeigen. Ein Blitz signalisiert, dass ein Schnellladeprotokoll aktiv ist. An der Unterseite befindet sich eine ausziehbare Handyhalterung, mit der die Powerbank dann auch als Handyhalter fungiert. Ein cleveres Zusatzfeature das bisher keine Powerbank hatte, die ich getestet habe.

Sie wiegt 400 g und hat die Maße 14,9 * 7,2 * 2,8 cm. Die Powerbank weder kompakt, noch leicht und für die Hosentasche auch nicht mehr eignet. Die 45W Variante ist hier - trotz gleicher Menge Energie die gespeichert werden kann - ein gutes Stück kleiner.

Mit der Taste an der Seite lässt sich das Display ein- und ausschalten. Bei einigem INIU Modellen soll man mit diesem Schalter auch eine Reset der Powerbank durchführen können. Dieser Reset ist manchmal nötig, wenn ein Port bei 5V verharrt und keine höheren Spannung mehr bereitstellt. Während meiner Tests trat dieses Problem glücklicherweise nicht auf.
Die Powerbank bietet drei Anschlussmöglichkeit: USB-C (in/out), USB-C (out) und einen USB-A Port (out).

Die Powerbank kam pünktlich und äußerlich unversehrt bei mir. Alle Siegel waren unbeschädigt. Etwas überrascht war ich, als sie sich nach dem Auspacken nicht einschalten ließ. Sie war vollständig entladen. Ob sie „nur“ vollständig entladen war, oder die Zellen tiefentladen waren, lässt sich nicht feststellen ohne sie zu zerlegen. Da zerlegen bei diesen Produkten irreversibel ist, und an diesem Punkt für mich schon klar war, Amazon (INIU) wird diese Powerbank zurückbekommen, bin ich der Frage „wie tief die Zellen entladen waren“, nicht nachgegangen.
Glücklicherweise wurde die Powerbank sofort mit den vollen 45 Watt geladen, was zumindest darauf hindeutet, dass sie nur vollständig entladen war, aber nicht tiefentladen. Ich habe den INIU Kundensupport kontaktiert um testen wie sie reagieren wenn ein Kunde sich meldet, der eine vollständig entladene Powerbank beim Kauf erhalten hat.
Erschreckenderweise wurde mir empfohlen, das Ladegerät für mehrere Stunden angeschlossen zu lassen, auch falls kein Ladevorgang sichtbar wäre. Ich finde diese Aussage auch zwei Gründen bedenklich:
Egal ob die Elektronik nicht abschaltet und die hohe Selbstentladung verursacht, oder die Zellen selbst eine erhöhte Selbstentladung haben. Egal ob "nur" vollständig entladen oder vielleicht schon Tiefentladen. Dieses Exemplar ist mangelhaft. Folgeschäden können nicht ausgeschlossen werden, daher an dieser Stelle von mir ein deutlicher Warnhinweis: Wenn ihr Akkus kauft, oder eine Powerbank, oder welche Energiespeicher auch immer: Kommt der Energiespeicher vollständig entladen bei euch an und ihr könnt die Zellspannung nicht prüfen, dann schickt es zurück. Ohne Wenn und Aber! Händler (Amazon nicht, aber alle anderen) und Hersteller diskutieren gerne, dass man das Gerät doch erstmal laden soll, es wird schon funktionieren. Hast du eine Hausratversicherung, aktuelle Dokumentationen mit vielen Bildern deiner Wertgegenstände und die Rechnungen in der Cloud? Nein? Dann schick es zurück und lade es nicht. Mit tiefentladenene Li-Ionen Akkus ist nicht zu spaßen.
Die Powerbank wird mit 45W geladen und das funktionierte in über ein Duzend Testreihen auch problemlos. Wer an dieser Stelle denkt: „Muss man das explizit erwähnen, ist das nicht selbstverständlich?“ der kennt mein Review zur CUKTECH PB200N wahrscheinlich nicht. Denn diese Powerbank wurden mal schneller, mal langsamer geladen.
Allerdings läuft auch bei dieser Powerbank der Ladevorgang nicht 100%ig rund. Zeigt das Display 100% an, ist sie nicht vollgeladen. Mal wurde noch mit 6-8 Watt weiter geladen, ein anderes Mal mit 14 oder 16 Watt.

Die Ladeleistung sinkt natürlich immer weiter. Das Display suggeriert aber, die Powerbank wären längst vollgeladen. Der tatsächliche Ladevorgang läuft aber etwa 10 bis 20 Minuten länger.
| USB-C "65W" | USB-C "36W" | USB-A | |
|---|---|---|---|
| Input (Herstellerangabe) | 5V / 3A / 15W 9V / 3A / 27W 12V / 3A / 36W 15V / 3A / 45W 20V / 2,25A / 45W |
- | |
| Input (Messung) | 5V / 3A / 15W (6,9 h) 20V / 2,25A / 45W (2,5 h) |
- | |
| Output Single-Port (Herstellerangabe) | 5V / 3A 9V / 3A 12V / 3A 15V / 3A 20V / 3,25A (max 65W) |
5V / 3A 9V / 3A 12V / 3A (max 36W) |
5V / 3A 9V / 2A 12V / 1,5A (max 18W) |
| Output Single-Port (Messung) | 5V / 3,5A 9V / 2,5A 12V / 2,0A |
5V / 3,6A 9V / 3,6A 12V / 3,6A (43W) |
5V / 3,2A 9V / 3,1A 12V / 3,1A (36W) |
| Output (unterstützte Protokolle) | PD: 5V; 9V; 12V; 15V; 20V QC 2.0: 5V; 12V QC 3.0: --- PPS: 3,3 - 15V 3A |
PD: 5V; 9V; 12V QC 2.0: 5V; 12V QC 3.0: --- PPS: 3,3 - 11V 3A |
PD: --- QC 2.0: 5V; 9V; 12V QC 3.0: 12V PPS: --- |
| Interner Akku (Herstellerangabe) | 7,4 V / 10.000 mAh / 74 Wh | ||
| Interner Akku (abgeleitet aus Input und Output) | ca. 74 Wh 100% der Herstellerangabe |
||
1: basierend auf den maximalen Wh die tatsächlich entnommen werden konnten
2: Maximale Leistung die ein Port bzw. verteilt über mehrere Ports (kurzzeitig) abgegeben werden kann.
3: Leistung die entweder dauerhaft bis zum vollständigen entladen geliefert werden kann, oder bis zum Zeitpunkt an dem die Powerbank die Leistung selbstständig drosselt (meist aufgrund thermischer Probleme).
Nutzt man mehr als einen Port gleichzeitig, stehen als Gesamtleistung ebenfalls maximal 65 W zur Verfügung. Wie genau sich die Lastverteilung gestaltet, kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Der Test gilt als bestanden, wenn die Leistung geliefert wird und die Spannung an allen aktiven Ports innerhalb der zulässigen Grenzen bleiben (±5%).
| USB-C1 "65 W" | USB-C2 "36 W" | USB-A "18 W" | Test bestanden? | |
|---|---|---|---|---|
| Mutiport Tests: | 45 W | 20 W | - | ![]() |
| 45 W | - | 18 W | ![]() |
|
| - | 15 W | ![]() |
||
| 45 W | 15 W | ![]() |
||
Bei Nutzung mehrerer Ports stehen ebenfalls maximal 65W zur Verfügung, offiziell zumindest. Bei der Suche nach dem tatsächlichen Maximum konnte ich bis zu 100 W (60 W + 40 W) kurzzeitig abrufen. Das sind immerhin 54% mehr als INIU verspricht.




Die Aufnahme wurde kurz vor Ende der 80W Messung aufgenommen. 80W Gesamtlast sind 23% mehr als die Powerbank eigentlich maximal liefern kann. Auch bei dieser Überlast kam es zu keiner thermisch bedingten Abschaltung.
Laut INIU gibt es diesen Modus, separat aktiviert werden muss er nicht. Ich habe den mittleren Port getestet und eine Last von 0,2W simuliert. Die Powerbank hat auch nach über 41 Stunden nicht abgeschaltet.
Die Powerbank selbst lädt mit bis zu 65 Watt. Schließen ich ein Notebook an (Thinkpad T15), wird das mit maximal 60 Watt geladen. Wie sieht es aber aus, wenn beides gleichzeitig angeschlossen ist? In die Powerbank fließen 45 Watt. Das Notebook wird noch mit 33 Watt (am "36W" Port) geladen.
Wie sieht es mit der Nutzung als USV aus? Szenario1: Man möchte die Powerbank als USV an seinem heimischen Router verwenden. Der kann zwar nicht per USB mit Strom versorgt werden, aber einen USB-C auf Hohlstecker Adapter der eine festgelegte Spannung, z.B. 12V abruft, gibt es für unter einem Euro zu kaufen. Damit kann der Router im Notfall problemlos mit der Powerbank betrieben werden. Aber geht das auch unterbrechungsfrei? Ja, das geht. Es kommt zu keiner Unterbrechung wenn man das Ladegerät anschließt oder abzieht.
Szenario2: Die Powerbank wird mit einem alten USB-Steckernetzteil versorgt das keine Schnellladeprotokolle kennt, nur 5V. An der Powerbank hängt ein Raspberry Pi, auch der kennt keine Schnellladeprotokolle, nur 5V. Fällt der Netzstrom aus, wird der Raspberry Pi ununterbrochen mit Strom versorgt und läuft weiter? Ja, er läuft weiter. Es kommt zu keiner Unterbrechung der Stromversorgung.
Nach dem eher ernüchternden Test der 45W Variante von INIU, kann die 65W Variante überzeugen. Saubere Spannungslagen an allen Ports, bei allen Spannungen. Der 65W Port liefert dauerhaft nicht nur 65W, sondern auch 70W. Bei Nutzung mehrerer Ports soll diese Powerbank ebenfalls maximal 65W liefern können. Das ist schon deutlich mehr, als die 22,5W/45W Vertreter. Denn die können bei Nutzung von mehreren Ports oft nur 5V bereitstellen, die Gesamtleistung liegt meist bei 20-22W. Mit 65W liefert die BI-B62 hier dreimal so viel. Und wenn man sie „zwingt“, sind sogar kurzzeitig 100W oder dauerhaft 80W möglich, ohne dass es zu thermischen Problemen kommt. In der Praxis sind die 80 bzw. 100W die ich simuliert habe nicht abrufbar, da die Schnellladeprotokolle der Gegenstelle diese Leistung gar nicht anbieten. Aber es zeigt dennoch, dieses Modell hat Leistungsreserven. Entsprechend ist auch an etwas wärmeren Tagen nicht mit einer temperaturbedingten Drosselung zu rechnen.
Für Verbraucher mit sehr geringer Leistungsaufnahme ist die Powerbank ebenfalls uneingeschränkt nutzbar. Ebenso ist das Pass-Through-Charging problemlos möglich. Da der 65W-Port allerdings der Eingang ist, lassen sich in diesem Fall maximal 36W über den zweiten USB-C Port abrufen.
Wer eine Powerbank sucht, die er als USV nutzen kann, wird mit diesem Modell ebenfalls glücklich. Auch das funktioniert problemlos. Die kleineren 22,5W oder 45W Varianten bieten diese Funktion nicht.
Die 65W Variante der 20.000 mAh Modelle von INIU bietet wenig Anlass für Kritik. Technisch liefert sie das, was INIU verspricht. 65W an einem Port, oder auch über mehrere Ports verteilt. Theoretisch könnte sie sogar noch mehr liefern, wenn die Ladeprotokolle das zulassen würden. Auch bei 23% Überlast, gibt es keine temperaturbedingte Drosselung, Leistungsreserven sind also vorhanden.
Das wirft einmal mehr die Frage auf, warum die 45W Variante von INIU (Test) ihre 45W gerade einmal für wenige Minuten liefern konnte. Interessanterweise ist, nachdem im letzten Monat mein Nachtest dieses Modell ebenfalls nicht das erhoffte Ergebnis brachte, dieses Modell auf Amazon für einige Tage verschwunden. Und auch im INIU Webshop, konnte man es nicht mehr kaufen. Gibt es mit diesem Modell vielleicht wirklich ein Serienproblem? INIU hat das mir gegenüber vehement abgeschritten. Natürlich kann es auch nur Zufall sein.
Was nicht verschwunden ist, ist die 65W Variante. Und die ist im Großen und Ganzen ziemlich gut. Nur zwei Kritikpunkte habe ich:
Auch der zweite Kritikpunkt lässt sich leicht aus der Welt schaffen, indem man ein USB-Kabel mit Display verwendet. Ich habe mehr als ein Dutzend davon von toocki, dass Display zeigt Watt, Spannung und Ampere im Wechsel an. Genau diese Variante gibt es mittlerweile nicht mehr, dafür eine neuere Version die alle drei Werte gleichzeitig anzeigen kann*. Sehr praktisch wie ich finde.
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten Powerbanks findet ihr hier. Dort findet ihr auch Infos wie ich teste und warum ich keine Kapazität (mAh) bei meinen Messungen angebe, sondern nur Energie (Wh).
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