

Im letzten Monat habe ich bereits einige neue Modelle aus der „Raw“ Serie von XTAR vorgestellt. Neben neuen 18650ern, gibt es auch zwei neue, ungeschützte 21700er. Beide bieten 5000 mAh, einer 15A (21700 Raw) und die andere beeindruckende 35A (21700HP Raw). Und das sind keine Peak oder Pulse Werte, sondern CDR-Werte. Auf der XTAR Webseite heißt es:
„Delivers a stable 35A continuous discharge for sustained high-load performance, and bursts up to 90A to handle peak demands like startup or acceleration—unleashing powerful, responsive energy when you need it most“
Kein Sternchen, kein kleingedrucktes aber. Eine so starke ungeschützten 21700er ist sicherlich eine gute Ergänzung für XTAR`s Portfolio. Die geschützte Variante, die „nur“ 25A hatte, habe ich bereits von einigen Monate getestet. Nun gibt es die 21700HP auch als „Raw“ Variante und die habe ich genauer unter die Lupe genommen.
Die Akkus wurden mir von XTAR kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.
| Herstellerangaben | Messung | |
|---|---|---|
| Modell: | 21700HP Raw | - |
| Format: | 21700 | - |
| PCB: | ![]() |
- |
| Kapazität (typisch): | 5000 mAh | - |
| Kapazität (min.): | 4900 mAh | - |
| CDR: | 35 A | - |
| Maximum Discharge: | - | - |
| Nominelle Spannung: | 3,60 V | Max. 3,57 V @ 0,5 A |
| Energie: | 18 Wh | 17,70 Wh |
| IR: | - | 12,1 mΩ |
| Gewicht: | < 72 g | 68,01 g |
| Maße: | 21,45 x 70,65 mm | 21,2 x 70,1 mm |


Hinweis: Ich habe diese Akku zwar bei 20A getestet, musste die Messung aber aufgrund zu hoher Temperaturen vorzeitig beendet. Da die Messung unvollständig ist, ist auch kein Wert für die durchschnittliche Spannung bei 20A angegeben.


Allgemeiner Hinweis zu Temperaturen von High-Drain Akkus: Die meisten Modelle haben heutzutage keine CDR mehr (die Stromstärke, bei der die Temperaturen unbedenklich sind). Meistens wird in Datenblättern nur noch ein „Maximum Discharge“ angegeben, und fast immer mit einem Temperaturlimit. Die hier gezeigten Temperaturen sind die bei einem offenen Messaufbau. In Akkuträgern, im Rohr der Taschenlampe oder in einem Akkupack sind die Temperaturen deutlich höher. Ohne Temperaturüberwachung solltest du diese Akku nie dauerhaft mit sehr hohen Strömen belasten.
Mit im Schnitt bis zu 4944 mAh gibt es an der versprochenen Kapazität keine Zweifel. Große Zweifel gibt es dennoch, an den 35A. Zwar kann ich diese nicht messen, aber ich kann die Temperatur vorhersagen:

Fast 140°C würde diese Zelle bei einer 35A Messung in einem offenen Messaufbau erreichen. Zwar kenne ich die Temperatur nicht, die XTAR für diese Zelle offiziell freigibt, aber 140°C sind es sicher nicht. Ich habe bei 75°C abgebrochen, wie (mittlerweile) bei allen Tests. Mehr als 80°C habe ich aber auch noch nie in einem Datenblatt gelesen.
Selbst wenn die Temperaturen deutlich niedriger wären, selbst dann ist das nicht mal ansatzweise ein 35A Zelle. Die Spannungslage ist allgemein sehr niedrig. Selbst bei nur 0,5A (1/10C) liegt sie unter 3,6V. Ja, die Spannung bricht auch bei 20A nicht ein, ist aber mit Zellen in Tabless Bauweise sicherlich nicht vergleichbar. Und genau solchen Zellen müsste sich das Modell von XTAR stellen, wenn es mit 35A (CDR) beworben wird. Die JP50 von Ampace haben auch „nur“ 40A (CDR). Und wer an der Stelle jetzt denkt, haben die nicht 60A? Nein, die JP50 haben 60A „Maximum Discharge“ mit Abschaltung bei 80°C. Das ist nicht der Wert für die CDR. Der liegt bei 40A.
Leider habe ich es aus Zeitgründen noch nicht geschafft Modelle wie die 50PL (EVE) und RS50 (Reliance) zu testen, aber bei 12mΩ die die XTAR haben, sind das meiner Meinung nach auch nicht die Akkus die man vergleichen sollte. Aber womit könnte man das Modell von XTAR vergleichen und welche Zelle steckt da eigentlich drin? Die Unterlagen die mit XTAR zur Verfügung gestellt hat, verraten es nicht. Und selbst wenn, wäre es XTAR sicherlich nicht recht, wenn ich das verrate. Aber selbst suchen und/oder eine KI befragen darf ich.
Genau das habe ich gemacht (und niemand kann dir verbieten das auch zu tun). Es hat ein bisschen gedauert, aber ich habe eine Zelle eines hierzulande sicherlich recht unbekannten Herstellers gefunden. 21700er, 5000 mAh, 90A Peak. Genau wie bei XTAR. Aber dieser Hersteller gibt 20A (CDR) und 35A (Maximum Discharge mit Abschaltung bei 80°C). Diese Werte passen deutlich besser zu den Messwerten. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass die XTAR 21700HP Raw 5000 mAh diese Zelle sind, die ich gefunden habe, weshalb ich sie auch nicht nennen werde. Aber wie der Zufall es so will, habe ich diesen Monat ja noch eine 21700er mit 5000 mAh getestet die auch 20A/35A verspricht. Die Vapcell T50.

Die Spannungslage der T50 ist in allen Tests besser. Nicht viel, aber besser. Ein Modell das mit 20A CDR beworben wird. Dessen Innenwiderstand auch etwas geringer ist, weshalb er minimal kühler bleibt. Ja, auch die T50 werden irgendwie mit 35A beworben und Vapcell versucht auch den Eindruck zu erwecken, dass 35A die CDR wäre. Aber „35A CDR“ hat Vapcell nicht auf die T50 geschrieben, XTAR aber schon. Und dieser Wert ist - meiner Meinung nach - nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Denn XTAR gibt kein Temperaturlimit an. Nicht auf den Akkus, nicht auf den Produktbilder, nicht auf der Produktseite und nicht einmal in den Unterlagen die sie mir geschickt haben.
Das XTAR einen ungeschützten 21700er für hohe Ströme ins Portfolio aufgenommen hat, ist für Käufer sicherlich interessant. 5000 mAh erhält man auch. Aber die aufgedruckten und stark beworbenen 35A die dieses Modell ohne Einschränkungen liefern soll, erwecken den Eindruck man erhält hier einen Akku der mit dem JP50 von Ampace vergleichbar wäre. Der hat auch „nur“ 40A CDR. Die hat er vermutlich wirklich, die 21700HP Raw von XTAR haben aber keine 35A. Sie sind eher auf dem Niveau von Vapcell T50. Und der ist mittlerweile gute 5 Jahre alt.
Damit sind die XTAR 21700HP Raw 5000 mAh nicht schlecht. Aber die aufgedruckten 35A bzw. sogar 90A Peak lassen vermuten, dass dieses Modell fast auf Augenhöhe mit aktuellen Tabless Zellen ist. Und das sind sie vermutlich nicht. Sobald ich die RS50 und 50PL getestet habe, wird es hier als Ergänzung noch ein kleines Update geben.
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten 3,6V Akkus findet ihr hier.
Hier kannst du diesen Akku kaufen:
Die letzten Tests im Bereich der 3,6V Akkus:
Für meine Tests verwende ich unter anderem dieses Equipment:
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