
Vor 2 Jahren habe ich die XTAR AAA 1620 mWh getestet, die lange Zeit die Rangliste angeführt haben. Schon damals hatte ich XTAR nach dem Test mitgeteilt, dass der abrupte Spannungseinbruch von 1,5 auf 1,1V nicht ideal ist. XTAR versprach damals, dass sie zukünftig eine bessere Art der Spannungsabsenkung planen. Im größeren Akkuformat (AA) hat XTAR dieses Versprechen mit mittlerweile vier Modellen eingelöst. Und nun wird dieses Versprechen auch für die kleinen AAA eingelöst. Zeitgleich erscheinen die beiden Modelle XTAR CLR 1300 mWh und XTAR LR 900 mWh.
Beide Modelle besitzen einen USB-C Anschluss, bisher hatte XTAR nur AAA-Modelle ohne diesen Anschluss. Und das auch aus gutem Grund: Der Platz in dieser Bauform ist begrenzt. Ein USB-Anschluss führt unweigerlich dazu, dass die Hersteller eine deutlich kleinere Zelle verbauen müssen. In den letzten zwei Jahren habe ich einige Modelle mit 1100 bis 900 mWh und USB-Anschluss getestet (GRBatty, Delyeepow, Pujimax, Soshine, VERICO) und das Fazit war immer gleich: Mehr als 900 mWh in der AAA-Bauform sind mit USB-Anschluss technisch nicht machbar. Entsprechend weit weg waren die realen Werte von den Werbeversprechen. XTAR verspricht nun auch 1300 mWh, für das CLR Modell. Vielleicht gibt es mittlerweile eine Zelle die so klein ist? Im Datenblatt steht, sie hätte 380 mAh, was sogar 1368 mWh wären bei einer nominellen Spannung von 3,6V. Das LR 900 mWh Modell hat diese Zelle leider nicht bekommen, sie muss sich mit einer Zelle mit 240 mAh (864 mWh) begnügen.
Die für diesen Test verwendeten Messinstrumente und das Zubehör wurden privat erworben. Die getesteten Akkus wurden mir von XTAR kostenlos zur Verfügung gestellt. Es handelt sich nicht um einen Werbe- oder Sponsoringtest. Der Hersteller hatte vor der Veröffentlichung keine Möglichkeit, Einfluss auf die Durchführung oder die Ergebnisse des Tests zu nehmen. Wenn du diesen Test hilfreich fandest, kannst du meine Arbeit unterstützen, indem du einen Affiliate-Link am Ende des Tests benutzt. Und falls du statt eines Akkus irgendwann einen Staubsauger bestellst: Damit unterstützt du mich noch mehr. 😉
| Herstellerangaben | |
|---|---|
| Modell: | XTAR LR 900 mWh |
| Interne Zelle (Cell Energy): | 3,6 V / 240 mAh / 864 mWh |
| Rated Energy (output): | bis zu 780 mWh (laut Datenblatt) |
| Kapazität (typisch): | 600 mAh |
| Kapazität (min.): | 550 mAh |
| CDR: | 0,6 A |

| Wh (gesamt) | Wh (über 1,35V) |
|---|---|
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|
Die 600 mAh erreichen die Akkus nicht, mit im Schnitt bis zu 568 mAh liegen sie aber über dem Minimum das XTAR angibt. Insgesamt ist das wenig, aber so hat XTAR dieses Modell konzipiert. Es ist zeitgleich mit dem CLR 1300 mWh Modell erschienen, sehr wahrscheinlich wurden beide auch gleichzeitig entwickelt. Und das CLR Modell - ebenfalls mit USB-Port - hat die deutlich größere Zelle bekommen. In dieser Bauform limitiert leider der USB-Port die Zellhöhe die verwendet werden kann. Hier müssen die Hersteller also einen Kompromiss aus Komfort und Leistung finden. Leider hat XTAR nicht die größte Zelle genommen, die ihnen offensichtlich zur Verfügung stand. Es wurde eine deutlich kleinere Zelle verwendet. 240 mAh gibt XTAR an, 220 mAh (nutzbare) Kapazität habe ich gemessen. Bei einer Nominalspannung von 3,6V kann eine solche Zelle nur 810 mWh speichern. Bis zu 739 mWh habe ich gemessen, die abgegeben werden konnten. Damit ergibt sich ein ziemlich guter Wirkungsgrad von rund 94%. Das bedeutet auch, in Anbetracht der kleinen Zelle ist das Ergebnis ziemlich gut. Das die Zelle so klein ist, dazu hat sich XTAR ganz bewusst entschieden.
Leider endete die Kritik an diesem Modell nicht bei der kleinen Zelle und damit verbundenen geringen Energiemenge die dieses Modell liefert. Leider ist die Spannungslage der beiden Zellen auch sehr unterschiedlich. Um auszuschließen, dass ich nicht einfach Pech hatte mit der eine Zelle, habe ich kurzerhand eine dritte getestet. Leider waren die Ergebnisse hier noch schlimmer. Der Spannungsabfall gleich zu Beginn der Messung war beim dritten Akku noch deutlich schlimmer. Das ist bedauerlich, insbesondere weil XTAR bereits vor 1,5 Jahre mit ihrem XTAR LR 3000 mAh Modell gezeigt hat, dass sie richtig gute Akkus liefern können:

Auch beim Thema maximale Leistung sieht es bei diesem Modell eher schlecht aus. Wobei man fairerweise sagen muss, XTAR gibt auch nur 0,6A an. Und ja, diesen Wert unterschreibe ich. Aber warum kann dieser Akku nur maximal 0,6A abgeben? Kann die kleine Zelle im Inneren nicht mehr? Das denke ich doch. Denn schaut man sich einmal die VERICO LoopEnergy Pro an, dann haben die ebenfalls einen LR Spannungsverlauf, ebenfalls einen USB-Port und ihre Zelle ist auch nur 900 mWh groß (auf dem Modell steht 1125 mWh, aber dieser Wert stimmt nicht). Das Modell von VERICO ist dem von XTAR ziemlich ähnlich, hat aber problemlos 2A geliefert. Die kleine Zelle ist also eher nicht der Grund, warum die XTAR nur maximal 0,6A liefern. Aber, auch hier muss ich wieder sagen: Dieses Modell wurde so von XTAR entwickelt, mehr soll es nicht schaffen. Man fragt sich natürlich schon, warum …
Bei der Spannungslage gibt es neben der großen Serienstreuung aber noch ein ganz anderes Problem: Das ist ein 1,5V Akku. Und eines der Kernfeatures die dieser Akkutyp haben sollte, ist eine höhere Spannungslage gegenüber NiMH Akkus. Deswegen kauft man diese Akkus. Das muss nicht konstant 1,5V sein, es gibt verschiedene Spannungsverläufe. Aber oberhalb von NiMH sollte die Spannung schon sein. Bei 100 mA ist die Spannung auch noch minimal über der Spannung aller NiMH die ich je getestet habe, aber bei 500 mA liegt sie schon darunter. Und noch höhere Ströme kann das Modell von XTAR gar nicht, NiMH Akkus aber schon.
Und an der Stelle frage ich mich, für welchen Anwendungsfall hat XTAR diesen Akku entwickelt? Tatsächlich beantwortet XTAR diese Frage auf einer ihrer Werbefolien. Ich habe mir die Praxisbeispiele einmal angesehen und soweit es mir möglich war überprüft:
| Anwendungsfall | funktioniert mit XTAR LR 900 mWh (Testdauer) |
|---|---|
| Wireless Mouse (TECKNET M003*) |
![]() (24 h) |
| Wireless Keyboard (Logitech K270*) |
![]() (24 h) |
| Hydrometer | ![]() (24 h) |
| LED Kerze | ![]() (nach etwa 14 h leer) |
| RC Car | ![]() |
| Blutdruckmessgerät* | ![]() (6 Messungen hintereinander) |
Mit den meisten Anwendungsfällen die XTAR nennt, funktionieren die Akkus. Das sind all die Verbraucher, die eine sehr geringe Leistungsaufnahme haben und auch mit NiMH problemlos funktionieren. Und mit NiMH funktionieren sie auch deutlich länger wie ich bei der LED-Kerze bemerkt habe. Mit einem sehr preisgünstigen ferngesteuerten Auto funktionieren die Akkus hingegen nicht. Zugegeben, es ist etwa 20 Sekunden gefahren. Aber ich musste mich zwischen vor/zurück und lenken entscheiden. Beides gleichzeitig ging nicht. Und nach wenigen Sekunden ging dann gar nichts mehr.

Mit den grünen XTAR 1200 mWh oder auch den Dracutum Akkus funktioniert der kleine Flitzer hingegen sehr gut und auch deutlich besser im Vergleich zu NiMH Akkus. Die neuen XTAR LR 900 mWh sind für diesen Anwendungsfall jedoch ungeeignet.
Eine Alternative zu NiMH Akkus ist das Modell von XTAR nicht, denn es bringt keine Vorteile, aber Nachteile. Also habe ich mir die Webseite noch einmal genauer angesehen. Es wird mehrmals davon gesprochen, dass dieses Modell eine gute Alternative zu Alkaline Batterien wäre.
"Its linear discharge profile allows the voltage to decline progressively as the battery is used, more closely resembling the behavior of an alkaline battery."

Leider zeigt die Grafik nicht den Spannungsverlauf der XTAR LR 900, dass ist eine recycelte Grafik vom XTAR LR 3000 mAh. Der hat dieses Spannungsverlauf. Die XTAR LR 900 haben einen Spannungsverlauf der dem von Alkaline sehr ähnlich ist, nur zeigt das die Grafik gar nicht. Und viel mehr Kapazität als Alkaline Batterien haben die XTAR LR 900 auch nicht. Sie sind sich tatsächlich sehr ähnlich. Beim Spannungsverlauf, bei der Kapazität und auch bei der Eigenschaft für höhere Ströme ungeeignet zu sein.
Anscheinend sieht XTAR dieses Modell gar nicht als bessere Alternative zu NiMH Akkus, sondern als Alternative zu Alkaline Batterien. Ein Akku der praktischerweise auch noch über USB geladen werden kann. Das wird dem Akku auch gerecht. So kann man dieses Modell tatsächlich einordnen.

Wenn du überlegst von NiMH Akkus auf 1,5V Akkus umzusteigen, gibt es viel Auswahl. Aber die XTAR LR 900 solltest du nicht nehmen. Sehr wenig Kapazität, ungeeignet für mehr als 500 mA, keine reproduzierbare Spannungslage, dafür aber über USB aufladbar. Entweder wurde der Rotstift ein paar Mal zu oft angesetzt, oder dieses Modell ist wirklich nur als Alternative zu Alkaline Batterien gedacht. Dann muss der Preis allerdings auch sehr überzeugend sein. Auch, weil mit dem CLR 1300 mWh sehr starke Konkurrenz aus dem gleichen Haus kommt.
Eine tabellarische Übersicht aller getesteten 1,5V Akkus findet ihr hier.
Hier kannst du diesen Akku bzw. gute Alternativen kaufen:
Für meine Tests verwende ich unter anderem dieses Equipment:
Die letzten Tests im Bereich der 1,5V Akkus:
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